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Französische Atlantikküste 2011

Nach einem ganz hervorragenden Abendessen fahren sind wir spät abends in Richtung Urlaub losgefahren. Unser Ziel: die französische Atlantikküste. Wo dort genau hin wissen wir noch nicht, wir peilen jedoch grob La Rochelle an. Diese Stadt lockt uns durch die zahlreichen Beschreibungen ihres mittelalterlichen Hafens und durch den größten U-Boot Bunker Europas, in dem auch die bekannten Szenen aus "Das Boot" gedreht wurden. 

Die Straßen sind schön frei und wir kommen gut vornan. Naja zumindest bis Belgien, dort muss man ja einen Gang runter schalten und sich an die 120 KM/h halten. Aber das ist gar nicht so schlecht, denn dann freut mich sich wenigstens über die 130 KM/h in Frankreich ;)

Kurz vor der französischen Grenze fällt uns dann urplötzlich ein was wir alles vergessen haben. Vor allem mein Gehirn hat wohl ein Bröckchen Fett verbrannt, denn mir fällt auf das ich im Prinzip außer Unterwäsche nichts eingepackt habe. Ich reise zwar gerne mit leichtem Gepäck, so habe ich das jedoch nicht gemeint. Während ich noch darüber nachsinne ob ich das schlimm finde, fällt Tanja auf das wir Ziras Pass vergessen haben. Das könnte nun wirklich ein Problem sein, denn obwohl Zira ja ganz fein all ihre Impfungen hat, die für das Ausland vorgeschrieben sind, darf die eigentlich in kein anderes EU-Land ohne ihren Pass einreisen. Kurz überlegen wir, ob wir zurückfahren sollen, entscheiden uns dann aber doch dafür es einfach ohne Pass zu versuchen. Wir sind nicht so weit gekommen, um dann wieder umzudrehen - nein! Wir planen also Zira einfache eine Gauloises hinters Ohr zu stecken, ihr mit einem bisschen Watte Puscheln an die Ohren zu machen, ihr die Beine und Nase zu rasieren, und sie so als eingebildeten französischen Püdel zu tarnen.

Wir sind übrigens faul und fahren mit Navi. Und zwar mit dem Google Navi von unserem Handy. Wir wussten ja das wir direkt nach der Grenze kein Internet mehr haben und wollten mal ausprobieren, wie lange man dennoch weiter navigieren kann. Und die Antwort ist ganz einfach: bis zum Ziel! Sehr praktisch das scheinbar die ganze Route runtergeladen wird. Von der Strecke abkommen sollte man allerdings nicht, denn dann ist der kleine Android ziemlich ratlos und kann einem auch nicht weiter helfen. Getestet haben wir das in dem romantischtem Moloch der Welt: Paris. Diese für ihren Charme berühmte Stadt erscheint uns in der Nacht wie ein riesen Loch aus Dreck und Beton. Gut, wir sind ja auch nur drum herum gefahren, aber die geballte Hässlichkeit sorgt dafür, dass wir uns aus lauter Schreck gleich mal verfahren und ein bisschen raten müssen, wie man das am besten rückgängig macht. 

Nachdem wir uns aus diesem Vorort der Hölle wieder befreit haben ist es ein Kinderspiel die letzten paar Stunden bis nach Bordeaux abzureißen. Maut-technisch schlagen die Franzosen voll zu. Gute 80 Euro haben wir für die Hinfahrt berappen müssen. Apropos rappen, mein französisches Wort des Urlaubs ist "Rappel". Das steht hier alle Paar KM an der Autobahn, und zuerst meinte ich damit müssen die Art von Rappel sein, die man kriegt, weil man hier nur 130 fahren darf. Ich habe das Schild jedoch im Laufe der Zeit auch innerorts in 30-Zonen gesehen, das kann es also nicht sein. Bis zum Schluss habe ich nicht rausbekommen, was damit gemeint ist, aber ich glaube einfach mal das damit das Gerappel aufgrund der miserablen Straßen gemeint ist.

Wir haben uns für einen Zeltplatz bei "Le Porge" entschieden. Dort angekommen haben wir nun ein echtes Problem, wollen die Wärter am Eingang doch wirklich Zira Ausweis sehen. Die ersten paar Sekunden sehen wir echt geschockt da, vor allem da uns auch direkt noch gesagt wird, dass das an jedem Zeltplatz so nötig ist. Aber auch dieses Problem kann gelöst werden: binnen einer halben Stunde bekommen wir per Fax die Papiere der verrückten Stella geschickt, und in kürzester Zeit mutiert unsere französische Püdeldame zu einem verrückten italienischen Straßenköter namens Adriana.

Die Metamorphose klappt ganz prima, und noch eine halbe Stunde später bauen wir unser neues Zelt auf. Das Zelt st echt ne Wucht. Es ist ein 4-Personen-Wurfzelt, das sich (fast) von selbst aufbaut. Im Prizip klappt man es nur auseinander. Das Zelt ist wirklich riesig, und im Vorzelt kann ich bequem stehen. So praktisch das Zelt auch ist, aufgrund seiner runden Packform und dem recht hohen Gewicht eignet es sich wirklich ausschließlich für einen Campingurlaub mit dem Auto.

Der Zeltplatz ist wirklich uneingeschränkt zu empfehlen. Auch wenn dieser fest in deutscher Hand zu sein scheint und das das Urlaubsgefühl leicht trübt ist alles sauber und prima. Der komplette Platz befindet sich in einem dichten Pinienwald, direkt nebenan einer wirklich hohen und tollen Sanddüne hinter der sich kilometerweit nichts als toller Sandstrand befindet. Das Wasser ist schweinekalt und taugt zum Schwimmen jedoch nicht, Zira allerdings findet das alles gaaanz spannend. Da Hunde eigentlich am Stand verboten sind, tummeln wir uns dann vor allem abends mit ihr dort rum, denn stören tut es ja doch niemanden wie man dann an der beachtlichen Menge von Hunden dort merkt. Unsere kleine Adriana mag den superweiten Ausblick auf jeden Fall und tollt wie verrückt im Sonnenuntergang da rum. Besonders spannend sind kleine Sandburgen, die es genau zu untersuchen gilt. Als sie eine als ihr Eigentum markiert bricht dann auch gleich die Südmauer weg, und bei dem Anblick der Szene kommen einem Bilder von Gozilla der Tokio einreißt in den Sinn.

Ansonsten verläuft der Urlaub wirklich entspannt, um mal ein anderes Wort für langweilig zu benutzen. Hier gibt es wirklich nichts das uns an die Zivilisation erinnert, denn wir haben weder Internet, noch Handynetz, noch Strom. Wir genießen diese Langeweile in vollen Zügen und verbringen die Tage mit Kaffe, Baguettes, Büchern, Cidre und Bordeaux. Ach ja shoppen müssen wir auch ein wenig, denn mir fehlt an vielen Stellen Kleidung, was sich vor allem an den kühlen Abenden bemerkbar macht. Also muss ne neue Jacke her. Allerdings hat Tanja sich auch eine Erkältung eingefangen, also suchen wir auch noch eine Apotheke. Als die Erkältung nicht besser wird, und wir auch noch lesen müssen, dass es die komplette letzte Woche unseres Urlaubs jeden Tag nur noch Regen geben soll, beschließen wir das das zu viel Wasser ist und das wir doch lieber heimfahren. Und das, nachdem es angeblich in den letzten 5 Wochen Sonne nur einen einzigen Tag geregnet hatte. Da es aber so schön dort unten war, ist ziemlich klar das dies nicht unser letzter Besuch an der südfranzösischen Atlantikküste war :)

  
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