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Ligurische Grenzkammstraße 2012

Vor kurzem sind wir zu zweit die ligurischen Grenzkammstraße gefahren. Ligurien liegt am Mittelmeer an der Grenze zwischen Italien und Frankreich. Das Wort Straße allerdings stimmt heutzutage nur noch bedingt, denn die gut 100 Jahre alte Militärstraße kann mittlerweile getrost als Offroad-Strecke bezeichnet werden. Es gibt nur sehr wenige Strecken in Europa auf denen man seine Enduro völlig legal mit einem solche gewaltigen Ausblick auf eine Alpine Landschaft bewegen darf.

Vorbereitung, Ausrüstung und perfekte Planung sind alles! Naja, oder das könnte man zumindest denken. Und obwohl es einen kurzen Moment lang auch mal genau so vorgesehen war, ist dann doch wieder alles ganz anders gekommen. Irgendwie endet bei meistens jede Reise so das man doch irgendwann "einfach losfährt", und auch Gerhard ist nicht gerade berühmt dafür sich schon vorher zu überlegen, was im Urlaub alles so nötig sein könnte. Vorbereitung gab es, immerhin habe ich mir vorsorglich mal die GPS-Koordinaten der gesamten Grenzkammstraße auf das Handy geladen. Außerdem habe ich mir eine 5-Volt-USB-Steckdose an den Lenker gebaut, damit das immer nach Strom hungernde Smartphone auch geladen werden kann.

Ausrüstung? Schlafsack ... check! Motorrad ... check! bisschen Wäsche ... check! Braucht man sonst noch was? Vermutlich nicht. Es sollte erwähnt werden, dass unsere Ausrüstung nicht komplett passend war, denn von 2 Motorrädern war nur eins geländetauglich. Gerhards harte Strassmaschine sah uns nicht so aus, als ob sie gerne über schweres Gelände mit Geröll aus teilweise handballgroßen Steinen gefahren werden wollte. Aber wir hatten eine Idee: Einfach in Italien oder der Schweiz eine Enduro leihen, die Offroad-Strecke genießen, und dann auf dem eigenen Hobel wieder heim.

Und Planung ... nun ich habe mir vorsorglich die genaue Position der ligurischen Grenzkammstraße auf mein Handy gepackt. Ansonsten wird Planung überbewertet und so fahren wir auch los.

Die Hinfahrt soll über die Schweiz, in der es einfach ein paar grandiose Pässe gibt, geradewegs nach Süden führen. Das Wetter ist fast schon zu gut und bei 30 Grad in brütender Sonne fahren wir erst mal bis zur Loreley den Rhein längs anstatt den schnellen Weg einfach über die Autobahn. Für diese Entscheidung werden wir gleich doppelt belohnt. Zum einen durch die tolle Umgebung, die wir bei strahlendem Sonnenschein auf unseren Böcken genießen dürfen. Aber auch weil wir unsere erste Panne dann bei einem solchen Panorama statt auf irgendeiner Autobahnraststätte haben. Gerhards Benzinschlauch ist geknickt und lässt zu wenig Sprit durch. Nach einigem Gebastel stellt sich eine achtlos am Straßenrand weggeworfene kleine Puppe als Rettung heraus. Der Kopf der Puppe hält den Benzinschlauch supergerade. Und auch wenn ich es in dem Moment noch bezweifelt habe, die Puppe hält die ganze Woche über und hält tapfer den Benzinschlauch. Nachdem es richtig viel Zeit gekostet hatte erst mal die Ursache des Problems zu finden kommen wir spät abends in Freiburg an, wo wir herzlich empfangen werden und erst mal pausieren.


Am nächsten Tag geht es dann auf direktem Weg in die Schweiz, wo wir bei moderaten Temperaturen den großen St. Bernhard (2469m) überqueren. So ein klassischer Alpenpass macht schon Spaß! In Italien angekommen entscheiden wir uns die Autobahn nach Cuneo zu nehmen. Ist zwar weiter und durch die überall stehenden Wegelagerer deutlich teurer, aber wir wollen am Col de Tende möglichst schnell ankommen und nicht unsere kostbare Zeit allein auf den Landstraßen verbringen.

Etwa 30 Kilometer vor dem Einstieg in die Grenzkammstraße schlagen wir dann unser Nachtlager auf. Wir finden in einem Waldstück einen geraden und weichen Waldboden, der ein gutes Bett für uns abgibt, und legen die Schlafsäcke aus. Ich lerne dann noch, wie man eine Flasche Wein ohne Werkzeug mit einem Schuh öffnet und wir ärgern uns das wir nicht mal eine Taschenlampe oder etwas Ähnliches dabei haben.

Das mit dem leihen eines geeigneten Motorrads stellt sich übrigens schnell als Wunschvorstellung raus. Wir finden einfach nichts, wo man sich was leihen kann, und wollen ja auch nicht einen ganzen Tag lang danach suchen. Gerhard beschließt also die Strecke mit seiner Maschine zu befahren.

Die ligurische Grenzkammstraße lässt sich aufteilen in Nord- und Südteil (http://alpenrouten.de/Ligurische-Grenzkammstrasse-Sued_track59.html) und ist zusammen etwas mehr als 60 Kilometer lang. Klingt nicht viel, aber durch die anstrengende Fahrt ist es sehr empfehlenswert die Tour in 2 genussvollen Tagen zu machen statt zu versuchen im Kampf alles an einem Tag zu schaffen.

Nach etwas Unsicherheit finden wir den Eingang zur ligurischen Grenzkammstraße. Dieser ist mit dem Hinweis versehen das es gefährlich ist und nur für Fußgänger, Mountainbiker und Endurofahrer auf eigene Gefahr erlaubt ist.


Schon die ersten Kilometer lassen ahnen, was auf uns zukommt. Mehr als faustgroßes Geröll auf einem Weg, der an der Seite gerade nach unten geht. Aber der Spaß und die Aussicht entschädigen für alles!

Naja für fast alles, denn obwohl Gerhard sich im ersten Gang mit für seine Maschine atemberaubender Geschwindigkeit durch die Landschaft kämpft, kann man unschwer sehen, dass das Motorrad sich auf einer asphaltierten Straße einfach wohler fühlt. Wir treffen unterwegs auf eine Gruppe von BMW Fahrern, die deutlich besser ausgerüstet sind als wir und uns immer wieder einholen. Aber Ausrüstung ist auch nicht alles, und so erntet Gerhard unzählige male Ruhm und Ehre dadurch das er es überhaupt nur versucht mit so einem Bock die Strecke zu befahren!



Die Strecke selbst ist optisch und technisch einfach toll. Das liegt unter anderem auch daran, dass sie wirklich ab vom Schuss ist. Es war also gut das wir unsere Maschinen noch mal bis zur Oberkante vollgetankt hatten. Nach den ersten 3-4 Stunden hat man dann gemerkt wie anstrengend es sein kann sich durch Geröll zu arbeiten, wenn man es nicht gewohnt ist. Zum Glück sind wir auf eine kleine und gottverlassene Hütte gestoßen, in der das davor stehende Quad sinnvollerweise dazu genutzt wurde, um Bier nach hier oben in die Gegend zu befördern - ein Traum!


Nach ein paar weiteren Stunden jedoch wird es Gerhard dann irgendwann doch zu viel. Er hat bereits mehrfach schwer aufgesetzt und sich auch schon eine ziemlich große Beule in den Krümmer gehauen. Ansonsten jedoch ist er ziemlich begeistert das er offenbar alles derart gut zusammengebaut hat das während der ganzen Strecke nichts abgefallen ist. Ich hatte jedoch weniger Glück. In einer schottrigen Kurve war der Übermut wohl etwas zu groß, und ich habe mir beim Sturz einen der hinteren Blinker abgerissen.

Auf dem Rückweg übernachteten wir noch mal in einem sehr dichten Waldstück in einem Tal, das uns so abgeschieden erscheint das wir es auch wagen ein Feuerchen zu machen. Als es dann am nächsten Morgen weiter gehen soll, wird das ganze erst mal zu einer ziemlich nervenaufreibenden Geschichte, denn meine Transalp will einfach nicht mehr anspringen. Und wenn man nach einer Stunde schrauben, raten, fluchen und mit Öl und Benzin verschmierten Fingern merkt, das man den Kill-Schalter gedrückt hatte, ist man gleichermaßen erleichtert und wütend!


Und damit habe ich gleich zwei wichtige Dinge auf dieser Tour gelernt:

  • Ein Moped braucht Benzin zum fahren
  • Ein Moped braucht Strom zum fahren
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